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Interview mit Stefan Kornherr von Gitarre.Blog

Interview mit Stefan Kornherr von Gitarre.Blog

Es gibt leider nur eine Handvoll deutschsprachiger Gitarrenblogs, aber wenn man ein wenig danach sucht, dann kann man sie durchaus finden. Etwa den Gitarrenblog von Stefan Kornherr, den ich euch heute vorstellen möchte.

Sein Thema ist nicht speziell die klassische Gitarre, sondern die Gitarre im Allgemeinen. Dazu schreibt er über Themen wie „Verreisen mit der Gitarre“, „Harmonielehre am Griffbrett“ oder „Barcelona für Gitarristen“.

Aufmerksam wurde ich durch einen kurzen, prägnanten Artikel über Tatyana Ryzhkova.

Und, was mich sehr beeindruckt hat und was wohl einzigartig ist im deutschsprachigen Raum: er betreibt ein eigenes Webradio zu diesem Thema! Hier geht es zum „Gitarrenradio“, unbedingt einmal vorbeischauen und reinhören!

 

Vor kurzem hat er auch die Zeit gefunden, mir ein paar Fragen zu beantworten. Herzlichen Dank dafür!

Hier nun das Interview.

 

Stefan, Du schreibst auf Deinem Blog, dass Du selbst in einer „Garagenband mit krummen Gitarren und selbstgelöteten Verstärkern“ begonnen hast. Meine Erfahrung ist ja, dass viele junge Gitarristen diesen Weg gehen, von der E-Gitarre zur klassischen Gitarre. Wie siehst Du das?

Ich weiß gar nicht, ob das tatsächlich so ist. Und auch bei mir war es anders. Ich bin von einer krummen Akustischen auf eine krumme E-Gitarre und wieder zurück auf eine gerade Klassische gewechselt 😉

 

Was ist denn eine krumme E-Gitarre?

Das ist eine saloppe Anspielung auf den qualitativen Zustand des Instrumentes.

 

Ah, den Ausdruck kannte ich noch nicht. Klingt aber stimmig …  Wie bist Du eigentlich zur Gitarre gekommen? Wieso die Gitarre und nicht Flöte oder Klavier?

Und welche Musik machst Du heute? 

Eigentlich war es Zufall. Wir hatten daheim ein Instrument und ich hatte Freunde, die ein paar Griffe konnten. Ich spiele „im Zweitberuf“ noch etwas Saxophon. Klavier musste ich in der Ausbildung (Berufsfachschule für Musik und später Prüfung zum staatl. anerk. Musiklehrer – ich arbeite jedoch nicht als Musiklehrer) belegen – habe aber nie eine einigermaßen stabile Beziehung zum Klavier aufbauen können 😉

Richtig „angefixt“ war ich durch ein klassisches Gitarrenkonzert meines späteren Lehrers Jan Zacek in einer Dorfkirche. Phänomenale Musik von Bach, Scarlatti und Dowland, die ich in dieser Form und Live noch nicht gehört hatte. Heute spiele ich immer noch Klassik (nur ein kleines Beispiel – dafür aber mit Noten 🙂 ) bearbeite und spiele mit einem Trio populäre Stücke für Gesang und Gitarre und spiele ab und an in einer Formation mit südamerikanischer Musik. 

 

Was verbindet Dich mit der klassischen Gitarre? Was bedeutet Dir ihre Musik und was sind Deine liebsten Kompositionen? 

Die Gitarre ist ein sehr „sinnliches“ Instrument mit einem warmen, sanglichen Ton. Am schönsten und klarsten kommt diese Eigenschaft mit „klassischer Gitarrentechnik“ ans Licht, finde ich. Gitarrenmusik hat mich durch schwere Stunden getragen, hat mich heiter gemacht und oft tief angerührt. 

 Ich mag Barockstücke von Sanz und Weiss sehr gerne, finde, dass John Dowland ein großartiger Komponist war, und kann mich auch für Moderneres von Andrew York oder Ralph Towner begeistern. 

 

Hörst Du privat auch klassische Musik?  

Ja, klar. Ich liebe vor allem Bach und Schubert. Was Bach mit den Oratorien geschaffen hat, ist ein Wunder.

 

Wie siehst Du die Stellung der Gitarre in der Geschichte, verglichen mit Klavier oder Violine? Und wie bewertest Du ihre Stellung heute im Gegensatz zu ihrer Rolle in der Rockmusik?

Ich habe für einen befreundeten Blog einen Gastartikel zur Geschichte der Gitarre geschrieben. Hierin weise ich eindeutig nach, dass wir als Gitarristen in der Tradition von mehr oder weniger erfolgreichen Frauenhelden, liebenswert naiven Angebern und verwirrten Tüftlern stehen. Ich vermute, die Geschichte von Klavier und Violine ist dagegen unendlich langweilig 😉

 Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, in U- und E-Musik zu unterscheiden. Es gibt nur gute und schlechte Musik … oder besser: Musik, die mir gefällt und welche, die mir nicht gefällt.

 

Wie denkst Du über den Bedeutungsverlust der klassischen Musik und Kultur im Allgemeinen? Ich persönlich sehe ja schwarz, was ihre Zukunft angeht, aber wie denkst Du darüber? 

„Kultur“ ist ja ein sehr weiter Begriff. Kann schon sein, dass Hochkultur an Bedeutung verliert. Aber ich bin Optimist: Die Menschen werden immer nach Möglichkeiten suchen sich auszudrücken, werden kreativ sein und sich lustvoll und künstlerisch mitteilen.

 

Aber findest Du nicht auch, dass durch den Bedeutungsverlust der, nennen wir es ruhig „hohen“ Kultur, eine Nivellierung nach unten erfolgt? Früher gingen die Leute in ein Konzert und hörten eine Mozartsonate o. ä. Heute hören sie dort Lieder mit ein paar Akkorden.

Findest Du nicht auch, dass sich, in diesem Sinne, die Qualität der Musik verändert hat?

Nun, ich muss mich outen: Auch ich höre ab und an Lieder mit ein paar Akkorden. Und gleichzeitig ist es wundervoll, dass ich auch in Konzerte mit klassischer Musik gehen kann. Für mich ist die Bandbreite guter Musik ein Schatz. In einem gebe ich Dir aber Recht. Hochkultur braucht finanzielle Ressourcen, sonst kann sie nicht gepflegt werden. Wenn Du danach fragst, ob es mir Sorge macht, dass Geld für Kultur gestrichen wird: Ja.

 

Zum Schluss, was ist das wichtigste Buch, das Du je gelesen hast? Welches Buch hat Dich am meisten beeinflusst, und wieso?  

Ich kann das ein wenig in Lebensphasen unterteilen. In meiner Jugend war Hesse wichtig. Meine erste Band hieß „Siddharta“ :). Später dann Bücher wie „König Hänschen“ von Janusz Korczak oder „Das Windrad“ von Peter Härtling. Eine echte Empfehlung ist auch „Der Rock n Roll König“ des Jazzmusikers Volker Kriegel. Nun fehlt mir ja jeder missionarische Eifer, aber wenn Du mich nach dem wichtigsten Buch fragst: Die Bibel.

 

Ich hoffe, dass Interview hat euch ebenso viel Spaß gemacht wie mir. Und jetzt wünsche ich euch noch viel Freude mit dem Gitarre.Blog von Stefan!

 

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