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Francesco da Milano

Francesco da Milano

Francesco da Milano wurde am 18. August 1497 in Monza, einer kleinen Stadt nordöstlich von Mailand, geboren. Schon zu Lebzeiten erhielt er den Namen „Il Divino“, der Göttliche (eine Bezeichnung, die er immerhin mit Michelangelo Buonarotti teilt).

Er war einer der berühmtesten Musiker seiner Zeit und Lucas Guarico, der Astrologe von Francescos Mäzen Papst Paul III., hielt ihn gar für „den wichtigsten und bedeutendsten Musiker von allen, (…) besser als Orpheus und Apollon, wenn er die Laute oder ein anderes Instrument spielt“.

Auch seine Werke zählen zu den bedeutendsten, die in der Renaissance geschrieben wurden, und beeinflussten die Komponisten in ganz Europa für mehr als eine Generation.

 

Sein Vater Benedetto war selbst ein talentierter Musiker, der seinen Sohn Francesco bereits mit acht Jahren zu Giovanni Angelo Testagrossa schickte, dem damaligen Lautenisten am Hofe von Mantua, wo er mit seiner musikalischen Ausbildung begann.

 

Schon 1514 wurde er Mitglied des päpstlichen Haushalts in Rom und war Lautenist für Papst Leo X. Eine Stellung, die er bis zu dessen Tod im Jahre 1521 behielt.

Auch in den folgenden Jahren blieb er in Rom und wird noch im Jahre 1526 namentlich erwähnt, als er für Papst Clemens VII. und Isabella d’Este auftraten.

 

Im folgenden Jahr kehrte er nach Norditalien zurück, wo er 1528 Kanoniker in der Basilika San Nazaró Maggiore in Mailand wurde. Schon zu dieser Zeit war er so berühmt, dass Publikationen seiner Musik in ganz Italien und Europa erschienen.

 

Zwischen 1531 und 1535 diente er Kardinal Ippolito de Medici in Florenz. Zusammen übersiedelten sie 1535 nach Rom, wo er auch Lautenlehrer von Ottavio Farnese, Herzog von Parma, wurde, eines Neffen von Papst Paul III.

 

In einem Dokument vom 1. Januar 1538 wird Francesco als Mitglied des Haushaltes von Kardinal Alessandro Farnese, einem berühmten Kunstmäzen, aufgeführt und begleitete ihn zu einem Treffen des Papstes mit Karl V. und Franz I. in Nizza.

Im selben Jahr heiratete er die wohlhabende Aristokratin Clara Tizzoni und gemeinsam ließen sie sich in Mailand nieder. Aber schon im nächsten Jahr sehen wir ihn wieder am päpstlichen Hof in Rom.

 

Über seine letzten Jahre und seinen Tod ist wenig bekannt außer seinem Sterbedatum, dem 2. Januar 1543, das wieder von Luca Gaurico aufgezeichnet wurde.

Noch heute erinnert ein Grabstein in der Kirche Santa Maria della Scala in Mailand an diesen bedeutendsten Lautenisten aller Zeiten, der sein Lebtag lang im Dienst der Kirche stand und der so wichtig für die Entwicklung der abendländischen Musik war.

 

Das Werk Francesco da Milanos ist von solcher Kraft, dass es noch heute, nach mehr als 500 Jahren, zu uns sprechen kann. Vor allem sind es seine einzigartige Ruhe und kontemplative Stimmung, die ihm eine besondere Atmosphäre verleihen und den Zuhörer in seinen Bann schlägt.

Unter seinen 124 Kompositionen für die Laute, die zwischen 1536 und 1548 in sieben Büchern erschienen, sind 60 Ricercars, 40 Fantasien, eine Toccata und Arrangements verschiedenster Vokalmusikwerke, die alle zu den bedeutendsten Werken dieses Instruments gehören.

 

 

In Milanos Musik sieht man den Übergang vom losen Improvisationsstil seiner Vorgänger zu den verfeinerten polyphonen Texturen späterer Komponisten. Eines der charakteristischen Merkmale seines Stils ist die Verwendung kurzer melodischer Fragmente, die in verschiedenen Stimmen nachgeahmt und im Verlauf des Stückes verarbeitet werden.

Dabei verwendete er Techniken, die er in der zeitgenössischen Vokalmusik etwa eines Josquin Desprez vorfand, wie etwa strenge Kanonbildung, einen freien Kontrapunkt, Verkleinerung und Vergrößerung einzelner Motive usw.

 

Heute ruht sein Ruf vor allem auf seinen Ricercaren und Fantasien, aber Zeitgenossen hielten seine Bearbeitung von Vokalwerken anderer Komponisten für den besseren Teil seines Oeuvres.

Bei diesen Arrangements setzte er seine überragende Virtuosität ein, um aus diesen mehrstimmigen Kompositionen durch und durch idiomatische Lautenstücke zu erschaffen.

 

Sein Werk wird heute mit „Ness-Nummern“ gekennzeichnet, entsprechend der modernen Ausgabe von Arthur Ness (1970) und liegt uns in zahlreichen Aufnahmen vor.

 

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