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Die schönsten Gitarrenkonzerte – „Concierto op. 67“

Die schönsten Gitarrenkonzerte – „Concierto op. 67“

In einer kleinen Reihe möchte ich euch die schönsten Gitarrenkonzerte vorstellen. Manchen wird das vielleicht vorkommen, als würde ich damit Eulen nach Athen tragen, aber leider ist vielen Menschen nur noch das „Concierto de Aranjuez“ bekannt. Aber all die wunderbaren Werke, die es sonst noch gibt, sind fast vollständig aus unseren Konzertsälen verschwunden.

Das hat sicher auch damit zu tun, dass es kaum Gitarrenkonzerte von namhaften Komponisten gibt. Joaquin Clerch hat einmal gesagt: „Wenn Mozart oder Beethoven ein Konzert für die Gitarre geschrieben hätten, dann würden wir jedes Jahr mit den Wiener Philharmonikern spielen!“

 

Und damit hatte er sicher recht. Denn um heute einen Konzertsaal zu füllen, braucht es entweder den Namen eines berühmten Virtuosen oder eines bekannten Komponisten, und vor allem Zweites fehlt für die Gitarre fast vollständig.

Aber so werden viele Konzerte, die vielleicht nicht die Größe von Beethovens drittem Klavierkonzert haben, die aber trotz allem voller Schönheit und innerem Reichtum sind, immer weiter an den Rand gedrängt und schlussendlich ganz aus dem Bewusstsein verschwinden.

 

Deshalb möchte ich hier einen kleinen Überblick geben, was es abseits von Rodrigos großem Wurf noch alles gibt. Euch Werke vorstellen, die mich persönlich berühren, zum Träumen bringen und, zumindest für Augenblicke, den Schmerz des Lebens vergessen lassen.

 

Doch zuerst will ich noch kurz darüber sprechen, was man unter einem Konzert versteht. Für Laien kann es ein wenig verwirrend sein: Man geht zwar in ein Konzert, aber diese Bezeichnung kann eigentlich alles bedeuten, den Genuss eines gepflegten Kammermusikabends genauso wie den eines skurrilen Orchesterwerks.

Aber wenn wir Musiker von einem Konzert sprechen, dann meinen wir damit eine ganz bestimmte Musikgattung. Wir sprechen nur dann von einem Solokonzert, wenn ein einzelnes Instrument im Zusammenspiel und im Widerstreit mit einem Orchester ein Musikstück aufführt.

Am bekanntesten sind sicher Klavier- und Violinkonzerte, aber es gibt kaum ein Instrument, für das es keinen Beitrag zu dieser Gattung gäbe, wie etwa Konzerte für Mundharmonika oder Maultrommel zeigen.

 

Die Vorgänger dieser Form finden sich schon recht früh in der europäischen Musikgeschichte, aber erst mit dem Aufkommen der bürgerlichen Konzertkultur in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bekam es seine heutige Ausformung und Bedeutung.

Zuvor gab es nur vereinzelt Virtuosen, die in einer „Kammer“ der Adelshäuser auftraten (das bekannteste Beispiel ist sicher der kleine Mozart). Doch durch das große Musikverständnis vieler Adeliger war dem reinen Virtuosentum ein natürlicher Riegel vorgeschoben.

Als aber ein bürgerliches Publikum begann, in die Konzertsäle zu strömen, veränderte sich der Musikgeschmack dramatisch. Ein Großteil der Hörer suchte nun Ablenkung vom tristen Alltag und wollte sich „gut“ unterhalten lassen – ein Bedürfnis, dem das Solokonzert auf vollkommenste Art und Weise nachkam.

Vor allem als auch immer mehr die Persönlichkeit des Solisten in den Vordergrund trat. Im Laufe der Zeit nahm das schließlich solch skurrile Auswüchse an, wie wir es aus den Geschichten rund um N. Paganini oder F. Liszt kennen.

 

In seiner heute bekanntesten Form besteht das Solokonzert aus drei Sätzen in der Abfolge schnell – langsam – schnell.

Im ersten Satz stellt das Orchester ein Thema vor und das Soloinstrument antwortet mit einer Variation davon oder eigenem Material.

Der zweite Satz ist in einem langsamen Tempo und gibt dem Solisten Gelegenheit, seine Feinsinnigkeit und seine lyrischen Qualitäten zu demonstrieren. Im Finalsatz schließlich herrscht meist eine Virtuosität, die einem „Kehraus“, also dem Rauswurf eines Tanzorchesters, gleicht.

Eine Besonderheit des klassischen Konzertes ist die Solokadenz, in der der Solist ohne Begleitung brillieren kann. Ursprünglich wurde dieser Teil improvisiert, doch heute sind die Kadenzen auskomponiert und es geht nicht mehr um ihre Erfindung, sondern um ihre möglichst persönliche Interpretation und das Geschick des Musikers, sie in das Gesamtkonzept des Musikwerkes einzufügen.

 

Auch das Konzert, das ich euch heute vorstellen möchte, das Concierto op. 67 von Malcolm Arnold, ist traditionell angelegt in seiner dreiteiligen Form, und auch wenn es sich einer modernen Musiksprache bedient, so sprengt es doch kaum die Grenzen der Tonalität, sondern bleibt immer den klassischen Kompositionsprinzipien verhaftet.

Was nicht verwundern darf, denn der Engländer Malcolm Arnold (neben Benjamin Britten der bekannteste englische Komponist der Nachkriegszeit) war ein vergleichsweise konservativer Komponist.

Während die meisten seiner Kollegen ihrer Lust zu experimentieren frönten und sich von den Fesseln der Tradition zu lösen suchten, schrieb er Musik voller gesanglicher Melodien, unbefangen und wenig bekümmert um den Zeitgeist.

 

Durch diese Vorzüge und wegen seines Schaffens als Filmkomponist ist man leicht versucht, ihn für einen „seichten“ Musiker zu halten. Aber in seinen wichtigsten Werken, vor allem den neun Symphonien, sieht man einen ganz anderen Künstler am Werk. Sie sind von geistiger Tiefe und dunkler Leidenschaft geprägt und zeigen einen grandiosen Komponisten am Höhepunkt seines Schaffens.

Beliebt, wie er war, wurde er auch immer wieder aufgefordert, für verschiedene Instrumente zu schreiben. So entstanden im Laufe seines Lebens mehr als zwanzig Solokonzerte, darunter für solch namhafte Musiker wie Yehudi Menuhin, Benny Goodman oder eben auch das Concerto op. 67 für Julian Bream.

 

Dieses Konzert, erstmals 1959 aufgeführt, spiegelt wunderbar die Einstellung und den Musikgeschmack der beiden Musiker wieder.

Hier ein der Tradition verhafteter Komponist, gewillt, einen gegen den Zeitgeist gerichteten Beitrag zur modernen Gitarrenliteratur zu leisten, dort ein Interpret, der neben der Gitarre auch meisterlich die Laute spielte und sich vor allem um das klassische Repertoire bemühte.

So entstand ein Werk, das schon im ersten Satz voller anmutiger Themen ist und durch einen Dialog zwischen Soloinstrument und Orchester besticht, der abwechselt zwischen Stellen technischer Brillanz und intimer Kammermusik.

Der langsame Satz wurde vom Gitarrenspiel eines Django Reinhardt inspiriert. Ein langes, bluesartiges Thema bringt das Gefühlsleben der Zuhörer in tiefe Gewässer und wirft einen dunklen Glanz über das gesamte Werk.

Es folgt ein exzentrisches Menuett, das die Balance zwischen den beiden ersten Sätzen wiederherstellt und das Ganze endet tragisch, mit kurzen Einwürfen der Gitarre.

 

Der Biograf des Komponisten, Piers Burton-Page, nennt es: „Eine von Arnolds herausragendsten Erfindungen. … Einmal gehört, nie mehr vergessen“ („Philharmonic Concerto“, Methuen, 1994).

 

Hier gibt die Gesamtaufnahme des Konzertes!

 

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